Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden
Sektionen
Sie sind hier: Startseite The Internet as seen from Space Random Thoughts Differenz und Grenzen

Differenz und Grenzen

erstellt von Manuel Reinhardt at 21.08.2010 00:00 |
Filed under:
Vor einiger Zeit habe ich die These aufgestellt, dass alle Bewegung, alle Veränderung und damit alles Leben aus Differenz hervorgeht. Wenn nicht zuerst eine Differenz, ein Unterschied, zwischen Dingen oder Größen festzustellen ist, dann verändert sich auch nichts. Das gilt von grundlegender Physik bis hin zur Alltagspsychologie.

Wenn ein Gegenstand, sagen wir eine Melone, 100 Meter über dem Erdboden ist, dann hat die Melone in dieser Position mehr Energie als direkt auf dem Erdboden, und diese Energiedifferenz sorgt dafür, dass sie sich bewegt - abwärts. Wenn ich gerne elektronische Musik machen möchte, und dafür einen Synthesizer brauche, aber keinen besitze, dann sorgt die Differenz zwischen Ist-Zustand und Wunsch-Zustand dafür, dass ich mich in Bewegung setze und Dinge tue, die den Ist-Zustand verändern und ihn näher an den Wunsch-Zustand bringen - ich treibe Geld auf, ich informiere mich über Synthesizermodelle, ich gehe schließlich in den Music Shop oder auf die eBay-Webseite.

Dann habe ich Mark Rowlands' wundervolles Buch The Philosopher at the End of the Universe gelesen, in dem er Philosophische Konzepte anhand von Science Fiction Filmen erklärt, und habe erkannt, dass Grenzen eine noch viel grundlegendere Rolle spielen. Um eine Energiedifferenz zwischen zwei Zuständen zu haben, muss ich erst die beiden Zustände voneinander abgrenzen. Zu einer Differenz gehören immer ein Minuend und ein Subtrahend, und wenn ich beide nicht voneinander abgrenzen kann, dann habe ich keine Differenz. Ebenso brauche ich eine Definition, eine Abgrenzung, des Begriffs "Energie". Ohne Grenzen gibt es keine Welt wie wir sie kennen. Wir ziehen ständig Grenzen; etwa wenn wir etwas einen Baum nennen und es damit von etwas, das wir eine Melone nennen, abgrenzen. Dabei haben wir selten eine exakte Abgrenzung im Kopf, sondern tun das eher instinktiv. Genauer befragt sagen wir z.B. noch, dass die Wurzeln auch zum Baum gehören, aber was ist mit dem Wasser, das er aufnimmt und das durch die Wurzeln fließt? Mit Blättern, die schon fast herunter gefallen sind, mit einem Pilz, der in Symbiose mit dem Baum lebt? Oder: Ab wann ist es ein Baum, ab wann ein Strauch? Und so weiter.
Noch ein oder zwei Schlussgedanken, um diesen Random Thought abzurunden: Oft wünschen wir uns, dass unsere Grenzen aufgehoben würden. Doch würde das nicht bedeuten, dass unsere Welt und auch wir selbst nicht mehr existierten? Oder sind diese Grenzen nur für unser Denken, wie wir es kennen notwendig, und ist nicht noch eine andere, grenzenlose Art des Denkens möglich (oder denkbar)?

abgelegt unter:

(0) Kommentare