Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden
Sektionen
Sie sind hier: Startseite Texte Elimnath Die Gefallene

Die Gefallene

Sie hatten sie in das Verlies unter dem alten Wachturm gesperrt. Sie war eine von den Gefallenen, so viel war klar. Mochte das Blut auf ihrem schlichten, ausgefransten Kleid noch anders erklärbar sein, so sprachen doch die Flügel Bände. Sie hatten in nichts mehr Ähnlichkeit mit den weißen Taubenflügeln der Himmlischen. Die grau-braunen, fledermaushaften Schwingen waren so zerfetzt, dass sie an Spinnweben erinnerten. Nach oben hin liefen sie zu messerscharfen, hornigen Spitzen zu. Nein, hier gab es keinen Zweifel. Ohne die Flügel jedoch hätte sie so manchen an der Nase herum geführt, denn davon abgesehen war sie schön. Ach, was war sie doch schön: Ein Körper zum Niederknien, makellose Haut - höchstens eine Spur zu blass, lockiges Haar, das bis zu den Kniekehlen fiel, ein Gesicht, das jeder Beschreibung spottete. Hätte sie ihre Flügel verstecken können, wäre gewiss manches anders gekommen. Doch ihre Kräfte mussten erschöpft gewesen sein, und das war das Glück der Dorfbewohner gewesen. Der Geselle des Schmieds hatte sie beim Holz Holen gefunden und sofort seinen Meister verständigt. Nach einer kurzen Besprechung hatten die Männer die Bewusstlose in den Wachturm gebracht. Eiserne Gitter und eine Fessel um ihren Hals hielten sie an Ort und Stelle. Doch niemand wusste, wann sie sich so weit erholt haben würde, dass simples Eisen ihr keinen Widerstand mehr bieten konnte. Natürlich hatte man sofort einen Boten nach dem Priester ausgeschickt, der, wie das Schicksal es wollte, gerade bei den nördlichen Höfen unterwegs war, und wartete nun bangend auf seine Ankunft.
Eine Stunde nachdem man sie gefunden hatte war sie erwacht. Ohne einen Laut war sie aufgestanden, hatte mit einem Blick ihre Situation erfasst, und stand seitdem regungslos vor der nördlichen Wand ihres Gefängnisses. Schweigend. Wartend.

Iridas strich sich über seine Glatze und schüttelte den Kopf. Was für eine Geschichte! Hätte nicht die Furcht in den Augen des Boten Bände gesprochen, hätte er sie wohl für blanken Unsinn gehalten. Doch so hatte er sich ohne viel Zeit zu verlieren zu dem Boten auf dessen Pferd gesetzt und ließ sich nun im Galopp Richtung Heimat tragen. Die Abendsonne berührte gerade die Wipfel des Waldes und tauchte das reifende Korn auf den Feldern ringsum in rötliches Licht. Doch Iridas hatte wenig Aufmerksamkeit für dieses Schauspiel übrig. Seine Gedanken drehten sich um die Gefallene. Was hatte sie so nahe an sein Dorf geführt? Wer schickte sie? Was hatte es mit ihrer Bewusstlosigkeit auf sich? Wie stark war sie?
Als die Sonne hinter den Bäumen versunken war und seine Gedanken sich mehrfach im Kreis gedreht hatten, zwang er sich, die Grübelei zu beenden. Er würde vor Ort mehr herausfinden; es half nichts, wenn er sich jetzt den Kopf zerbrach. Stattdessen sandte er ein kurzes Gebet um Kraft und Weisheit an seinen Patron, den Erzengel Alvandor, und spürte eine vertraute Wärme in seiner Brust. Sein Herr würde ihm beistehen.
Bei der Ankunft im Dorf erwartete ihn eine Versammlung von einem Dutzend nervöser Männer. Areas, der Schmied, schien die Führung des kleinen Haufens übernommen zu haben, denn er trat sofort auf Iridas zu, kaum dass dieser den Sattel verlassen hatte.
"Hochwürden. Gut, dass ihr hier seid. Ihr seid unterrichtet?"
Iridas nickte. "Euer beherztes Handeln verdient Lob. Wie lange, seit ihr sie gefunden habt?"
"Zwei und eine halbe Stunde."
"Begleitet mich zu ihr."
Areas hob einen schweren Hammer auf, den er neben sich balanciert hatte, nahm eine Fackel, die Ravan, der Müller, ihm reichte und ging voraus zum Wachturm. Iridas raffte seine Robe, fasste seinen Stab fester und folgte ihm. Drei mit Dreschflegeln und Sensen bewaffnete Bauern bildeten den Abschluss der kleinen Prozession.
Iridas' Ankunft hatte die Unruhe der Dorfbewohner gemildert und ließ sie nun einer grimmigen Entschlossenheit weichen. Für sich genommen waren die Männer mit ihren improvisierten Waffen kein Gegner für die Gefallene. Mit einem Priester wie Iridas an ihrer Seite sah dies jedoch deutlich anders aus. Alvandor, dessen Domänen Wissen und Stärke waren, war kein typischer Patron für ein Dorf auf dem Land, und Iridas war auch nicht ganz der typische Dorfpriester. Er hatte bereits in mehreren Tempeln in allen Teilen des Landes und sogar außerhalb der Grenzen studiert. Die meisten Bewohner des Dorfes wären entsetzt gewesen, wenn sie gewusst hätten, was sich hinter der höflichen, hilfsbereiten Fassade des manchmal etwas langsamen älteren Mannes so alles verbarg. Doch sie wussten, dass sein Schutz Gold wert war und man bei einem Konflikt besser auf seiner Seite stand als auf der anderen.

Das Licht des halb vollen Mondes, das hin und wieder durch eine leichte Wolke gedämpft wurde, ließ den alten Wachturm bedrohlich aussehen, fast wie ein Ungeheuer, das sich unweit des Dorfes in den Feldern auf die Lauer gelegt hatte. Doch sie erreichten den Turm unbehelligt, und als Areas den schweren Eisenschlüssel hervor holte und die massive Eichentür aufsperrte, erwartete sie kein gieriger Rachen, sondern eine dunkle, so gut wie leere Wachstube. Areas nahm einem der Bauern seine Fackel ab und trat als erster ein. Nur ein kaputter Tisch und zwei Schemel waren von der ursprünglichen Möblierung des runden Raums übrig geblieben und hatten mächtig Staub und Spinnweben angesetzt. Der Schmied wandte sich zielstrebig nach rechts, wo eine Treppe in den Keller führte. Iridas folgte ihm hinunter, die Bauern blieben zurück. Sein Herz schlug ein wenig schneller, als er sie erblickte, obwohl er im flackernden Fackelschein nicht viel mehr erkennen konnte als eine schlanke Silhouette mit zusammengefalteten Flügeln. Am Fuß der Treppe waren nur zwei Schritt Platz bis zu einem massiven Eisengitter, das sich durch den ganzen Raum zog. Das Verlies dahinter lag eine Mannshöhe tiefer, so dass sie auf die Gefangene herab sahen. Iridas streckte seinen Geist aus und maß ihre Stärke. Sie hatte sich noch lange nicht vollständig erholt; er war also noch rechtzeitig gekommen. Als habe sie seine Musterung gespürt blickte sie auf und sah ihm direkt in die Augen. Obwohl das spärliche Licht nicht einmal ihre Augenfarbe erkennen ließ, sah er in ihrem Blick eine ungeheure Kraft und ein gewaltiges Wissen, die nicht von dieser Welt waren. Doch auf seiner Seite waren höhere und vor allem edlere Kräfte. Er berührte kurz das Symbol, das an einer Kette um seinen Hals hing, und begann dann zu sprechen.
"Warum störst du den Frieden unseres Dorfes?"
Ein spöttisches Lächeln umspielte ihre Lippen als sie antwortete.
"Ich freue mich ebenso, euch zu sehen, Iridas. Und danke der Nachfrage, es geht mir gut, auch wenn die Unterbringung etwas... schlicht ist."
Ihre Stimme war glockenhell und klar, doch Iridas glaubte, einen leisen dissonanten Unterton mitschwingen zu hören, der ihm eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ. Dennoch fiel es ihm schwer, zu entscheiden, ob ihr Spott spielerisch oder bitterböse gemeint war.
"Aber wie unhöflich von mir, ich habe Eure Frage nicht beantwortet. Ich bin gekommen, um euch zu warnen."
Interessant, stellte Iridas in Gedanken fest. Wollte sie wirklich versuchen, ihn mit einer aberwitzigen Geschichte über das hinweg zu täuschen, was sie offensichtlich war? Eher hätte er erwartet, die würde ihm einen Handel vorschlagen, oder einfach ihre Kräfte regenerieren und einen Ausbruch versuchen. So oder so konnte es ihm nur helfen, wenn er sie am Reden hielt.
"Zu warnen?" Wenigstens brauchte er sein Erstaunen nicht zu heucheln. "Wovor?"
Ihr Lächeln und der Spott in ihrer Stimme verschwanden übergangslos.
"Ein Fürst der Gefallenen, dessen Namen ich lieber nicht aussprechen will, hat herausgefunden, dass sich ein mächtiges Artefakt in der Kirche eures Dorfes befindet und beschlossen, dass es ihm gehören soll. Ich kann nicht sicher sagen, wann er angreifen wird, doch wahrscheinlich noch bevor der neue Mond am Himmel steht."
Iridas runzelte die Stirn. "Ein Artefakt? Von welchem sprichst Du?"
Es befanden sich tatsächlich mehrere Gegenstände mit besonderen Kräften in der Kirche, darunter ein heilender Kelch und eine Segensschärpe, doch keinen davon hätte Iridas als besonders mächtig bezeichnet.
"Auch das weiß ich nicht mit Bestimmtheit. Aber es dürfte keiner der Euch bekannten Gegenstände sein. Er scheint sich in einem geheimen Versteck zu befinden..."
"... dessen Ort du mir wahrscheinlich auch nicht sagen kannst", unterbrach Iridas sie. Sie lächelte ergeben und schwieg.
"Nun, deine Informationen enthalten zwar etliche Lücken, aber diesen Teil der Geschichte werden wir wohl überprüfen können. Doch was sollte dich dazu bringen, uns vor Deinesgleichen zu warnen?"
Zum ersten Mal sein Beginn der Vernehmung wich sie Iridas Blick aus und sah zu Boden.
"Ich habe eingesehen, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich bereue die Taten, die zu meinem Fall geführt haben, und suche, sie wieder gut zu machen."
Ihre Flügel zitterten ein wenig und sie verlagerte ihr Gewicht von einem Bein auf das andere. Dieses Thema schien sie wirklich zu bewegen - oder war das nur eine meisterliche Täuschung? Wie dem auch sein mochte: Iridas spürte, dass es keinen Sinn hatte, sie weiter dazu zu befragen. Davon abgesehen musste er sich dran machen, das Verlies für die Nacht vorzubereiten. Bis zum Morgen würde sie sich sicher so weit erholt haben, dass ihr das alte Mauerwerk allein nicht mehr genug Widerstand bieten würde. Eine Frage jedoch brannte ihm noch unter den Nägeln.
"Wie kam es dann dazu, dass wir dich bewusstlos vorfanden, bevor du mit deiner Warnung zu uns gekommen bist?"
Ihr Blick hob sich wieder und traf seinen. "Zwei Gefallene fingen mich ab und es kam zu einem Kampf. Es gelang mir, sie zu bannen, aber ich erschöpfte dabei meine Kräfte so sehr, dass ich zusammenbrach und erst hier wieder zu mir kam."
"Das heißt, sie wissen, dass du uns warnen wolltest?"
"Davon muss ich leider ausgehen, ja."
Iridas nickte abschließend.
"Wir werden deine Aussagen überprüfen und uns beraten. Du wirst Verständnis haben, dass wir dich so lange hier lassen."
Sie warf ihm einen letzten undeutbaren Blick zu bevor er sich zum Schmied umwandte. In seinem Gesicht rang Furcht mit Interesse und machte Iridas erst jetzt richtig bewusst, dass die meisten Dorfbewohner noch nie einen der Himmlischen, geschweige denn einen Gefallenen, gesehen hatten, und dieses Ereignis mit ganz anderen Augen sahen als er. Geduldig ließ er Areas noch etwas Zeit, sich von dem Anblick loszureißen. Als sie die steinerne Treppe zurück nach oben betraten, betete Iridas stumm zu seinem Patron und den Schicksalslenkern, dass auf sein Dorf nicht so viel Unheil zu kommen möge, wie sich gerade abzuzeichnen begann.

Die folgende Nacht schien seinen Wunsch zu gewähren. Außer einem blauen Leuchten, das der Müller in der Richtung des Wachturms gesehen haben wollte, ereignete sich nichts Erwähnenswertes. Dennoch schliefen die Dorfbewohner unruhig, wenn überhaupt - allen voran Iridas. Als er weit nach Mitternacht in sein bescheidenes Haus neben der Dorfkirche zurück kam, gönnte er sich nur eine kurze Pause, bevor er wieder aufbrach. Er ging hinüber in die Kirche und sah nach allen Gegenständen, die irgendwie von Bedeutung waren und die er in den letzten Stunden mehrfach im Geiste durchgegangen war. Alle waren an ihrem Platz und fühlten sich an wie immer, sowohl für seine Hände als auch für seinen Geist. Schließlich führte er eine kurze mentale Übung aus, die ihn für neue Eindrücke öffnen sollte, bat den Erzengel um Führung und begann, langsam mit geschlossenen Augen durch die Kirche zu gehen. Er ließ seine Gedanken jeden Winkel abtasten, fühlte das sorgfältig behauene Mauerwerk und jede Unebenheit darin unter seinen geistigen Fingern, prüfte die bunten Glasfragmente der Fenster und ihre eisernen Halterungen, drang hinter die Bilder des Kreuzganges ebenso wie hinter den Beichtstuhl. Er ließ nichts aus, keine Orgelpfeife und keine der Münzen im Opferstock, doch alles schien, wie es sein sollte und wie es immer gewesen war. Endlich, als er zu guter Letzt den Altarraum untersuchte, erstarrte er mitten im vorsichtigen Schritt. Hier fühlte er die Anwesenheit von etwas, das ihm nicht vertraut war. Die Aura war diffus, etwas schien sie zu blockieren, doch er war einigermaßen sicher, dass sie sich unter ihm befand. Er erhöhte seine Konzentration und ließ etwas mehr Energie fließen. Er fand eine Verschleierung, mit der er einige Minuten rang, bevor er sie brechen konnte. Dann jedoch stand die Präsenz so klar wie nur möglich vor seinem geistigen Auge. Die Gefallene hatte nicht übertrieben, als sie von einem mächtigen Artefakt sprach. Er ging zu der Stelle, an der der Eindruck am stärksten war, öffnete die Augen, und sah nach unten. Er stand drei Schritte vom Altar entfernt an einer nicht weiter auffälligen Stelle. Der Boden bestand, wie im restlichen Altarraum auch, aus eineinhalb Schritt großen Steinplatten. Würde er eine davon anheben müssen? Oder gab es etwa einen geheimen Raum unter dem Altarraum und einen ebensolchen Zugang dazu? Iridas wurde beinahe schwindelig von dem Gedanken, doch ein weiteres kurzes Ausstrecken seiner Sinne zeigte ihm nur einen kleinen Hohlraum unter ihm, ohne erkennbaren Zugang von außen. Iridas' Neugier wurde immer größer. Was mochte hier unter dem Boden verborgen sein, über den er schon so oft nichts ahnend geschritten war? Und wer mochte es dort versteckt haben? Leider war die Geschichte der kleinen Kirche und des sie umgebenden Dorfes nur lückenhaft dokumentiert; vielleicht würde er nie herausfinden, wie das Artefakt dort hin gekommen war. Aber konnte es nicht auch sein, dass die Gefallene selbst dafür gesorgt hatte, dass der Gegenstand hier zu liegen gekommen war? Sie selbst würde einen solch gesegneten Ort wie die Kirche nicht betreten können, doch vielleicht hatte sie einen menschlichen Helfer, dem dies möglich war. Ja, vielleicht handelte es sich überhaupt nur um einen Köder, ein profanes Objekt, das mit einer Täuschung belegt war, die es als ein mächtiges Artefakt erscheinen ließ! Hier galt es, besonnen zu bleiben und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Andererseits wäre es auch töricht, die Möglichkeit, dass die Gefallene die Wahrheit sprach, gleich zu verwerfen. Je eher er Gewissheit hatte, desto besser.

Kaum hatte Iridas an die Tür des Schmieds geklopft, sah er bereits Licht hinter einem der Fenster aufflackern. Areas schien nicht sehr fest geschlafen zu haben. Als er wenig später die Tür öffnete, sah er zwar müde, aber nicht verschlafen aus. In sein freundliches, breites Gesicht hatten sich einige Sorgenfalten geschlichen. Dennoch begrüßte er den Priester höflich wie immer.
"Iridas. Hochwürden. Ist alles in Ordnung? Kann ich etwas für Euch tun?"
"Seid gegrüßt, Areas. Verzeiht die Störung um diese Stunde. Ja, ich könnte eure starke Hand gebrauchen. Nehmt ein wenig Werkzeug mit und trefft mich in der Kirche. Wie es scheint, müssen wir eine der Bodenplatten lösen und anheben."
Auch Ravan antwortete schnell auf Iridas' Klopfen. Sein Haar, so weiß wie das Mehl, das seine Mühle am Bach verließ, war noch zerzauster als sonst. Bereitwillig schloss er sich dem Priester an. Am Kircheneingang trafen sie Areas, der eine Werkzeugkiste trug. Iridas führte seine beiden Helfer zu der Stelle, die er identifiziert hatte, und zündete einige Kerzen an, während die beiden die bevorstehende Aufgabe in Augenschein nahmen. Ravan blickte skeptisch auf die Steinplatte. "Die wiegt bestimmt dutzende Zentner. Da brauchen wir einen Flaschenzug und noch ein paar starke Hände. Oder könnt Ihr, Hochwürden...?"
Iridas nickte. Er ließ sie noch kurz ihr Vorgehen besprechen und bedeutete ihnen dann, sich hinzuknien. Während er eine Anrufung rezitierte legte er ihnen nacheinander die Hände auf. Warm und prickelnd fühlte er die Energie durch seinen Körper strömen und an den Handflächen austreten und auf seine Schützlinge übergehen.

Keine halbe Stunde später wuchteten der Schmied und der Müller die riesige Bodenplatte nach oben und legten sie zwei Schritte weiter vorsichtig ab. In der Fläche darunter kam ein Loch von einer Elle Länge und Breite zum Vorschein, in dem ein metallener Gegenstand lag. Iridas trat auf die freigelegte Fläche aus schmutzigem Fundamentstein, hielt kurz inne und spürte nach Fallen oder Täuschungen, und hob dann vorsichtig den Gegenstand heraus. Es war ein silberner Helm, sauber gearbeitet und schlicht aber anmutig verziert. Er verfügte über Nasen- und Backenstücke und einen Nackenschutz aus Kettengeflecht. Oben lief er leicht spitz zu und hatte eine Vorrichtung zum Anbringen von Federn oder ähnlichem Schmuck. Seine beiden schwitzenden und schwer atmenden Helfer sahen ihm gebannt zu, während er den Helm in den Händen drehte und betrachtete. Er nickte ihnen zu. "Habt Dank, ihr wart eine unschätzbare Hilfe. Geht jetzt und versucht, noch etwas Schlaf ab zu bekommen vor dem Morgen. Ich werde sehen, was ich über den Helm herausfinden kann."

Iridas saß in seiner kleinen Stube. Vor ihm auf dem Tisch lag der Helm. Er hätte nicht sagen können, wie lange er schon so dagesessen und ihn angesehen hatte. Etwas an diesem Gegenstand zog seinen Blick auf sich wie er es noch bei keinem anderen erlebt hatte. Die tadellose Verarbeitung beschwor Gedanken an ruhmreiche Feldzüge und große Heldentaten, während die Verzierungen von Ehrfurcht gebietenden Generälen und mächtigen, wohlhabenden Herrschern kündete.

Fortsetzung folgt