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Der Wind in den Weiden

Hört ihr die klagenden Laute, die vom Fluss her kommen? Das ist der Wind in den Weiden. An kühlen Tagen wie heute, besonders im Herbst, kann man ihn oft hören. Da ihr nicht von hier seid, nehme ich an, dass ihr seine Geschichte nicht kennt. Es ist eine traurige Geschichte über Eifersucht und Tod. Der Wind in den Weiden trauert um seine verlorene Liebe.

Er ist ein Sohn von Shilendan, dem Herrn dieses Landes. Einst hatte er einen anderen Namen, doch nun kennt ihn niemand mehr. Als die Welt noch jung war verliebte er sich in Antaria, die Tochter der Sternenkönigin. Sie erwiderte seine Liebe, und so hielt er um ihre Hand an. Die Hochzeit sollte im Land seines Vaters stattfinden. Die Sternenkönigin betraute die Wolkenriesen, die bis zu dieser Zeit stets treue Diener des Himmelskönigreichs gewesen waren, damit, ihre Tochter auf die Erde zu geleiten. Doch Alnilam, ein Magier, der es zu großer Macht und gutem Ruf gebracht hatte, begehrte Antaria ebenfalls. Er war stets ein guter und vernünftiger Mann gewesen. Von seinen Taten erzählen viele Geschichten. Doch mit seiner Macht war auch sein Stolz gewachsen, und so wurde er zornig über Antarias Ablehnung und missgönnte Shilendans Sohn sein Glück. Er umgarnte die Wolkenriesen mit seinem Charme und seiner Zauberei und brachte sie dazu, ihn bei einem teuflischen Plan zu unterstützen.

An dem großen Tag übergab die ahnungslose Sternenkönigin ihre Tochter in die Obhut einer Delegation der Wolkenriesen. Ein ganzer Tross Mägde und Freundinnen begleiteten Antaria. Die bunte Gruppe durchquerte das halbe Himmelsköigreich, und überall sorgten sie für viel Aufsehen und große Freude. Doch schließlich erreichten sie die Nebelbrücke und stiegen über diese hinab zur Erde. Als sie den einsamen Falkenpass erreichten, wo die Brücke die Erde berührt, erschien mit einem Blitz und einer Rauchwolke Alnilam. Er forderte Antaria auf, die Hochzeit abzusagen und statt dessen mit ihm zu kommen. Sie erklärte ihm erneut höflich, dass ihre Liebe nur Shilendans Sohn gelte, auch wenn sie bedauere, Alnilam deshalb zurückweisen zu müssen. Da befahl Alnilam den Wolkenriesen, sie zu ergreifen und in seine Festung zu bringen. Antarias entsetzte Begleiter waren machtlos. Alles, was sie tun konnten, war, in den Himmel zurückzukehren und über den Vorfall zu berichten.

In seiner Festung angekommen bedrängte Alnilam Antaria, und versuchte sie dazu zu bewegen, ihn statt ihres Verlobten zu heiraten, zuerst mit Versprechungen, dann mit Flehen, und schließlich mit Drohungen. Doch Antaria trotzte allem, hoffte darauf, dass ihr Verlobter sie retten würde, und sagte Alnilam wieder und wieder, dass sie nur Shilendans Sohn heiraten werde.

Bald erreichte auch diesen die Nachricht über die Entführung. Er war außer sich und scharte sofort ein halbes Dutzend Gefährten um sich, die ihm helfen sollten, Antaria zu befreien. Alnilams Festung wurde von zahlreiche Fallen, Zaubern und Kreaturen geschützt, und viele Geschichten erzählen davon, wie Antarias Verlobter und seine Gefährten sie eine nach der anderen überwanden. Als sie endlich die Festung betraten, spürte Shilendans Sohn einen Stich im Herzen, und eine Ahnung überkam ihn, dass etwas schreckliches geschehen war. Taub für alle Warnungen ließ er seine Gefährten hinter sich und stürmte durch die Festung, auf der Suche nach seiner Geliebten Antaria. Schließlich betrat er den großen Saal, und dort lag sie auf dem Boden - tot. Neben ihr kniete Alnilam und starrte sie mit leerem Blick an. Er sah nicht auf, als ihr Verlobter eintrat, und er reagierte auch nicht, als dieser mit einem fürchterlichen Schrei sein Schwert zog, auf ihn zu stürmte und ihn mit einem einzigen Schwertstreich tötete.

Shilendans Sohn erholte sich nie wieder von diesem Ereignis. Er kehrte in seine Heimat zurück, doch er lebte nicht mehr in seinem Haus, sondern zog umher, rastlos, und weinte und klagte seine Trauer um seine Geliebte und seine Wut auf den Mann, der das Glück der beiden aus Eifersucht zerstörte. Das ist es, was man seitdem an kühlen Tagen, besonders im Herbst, vom Fluss her hört.